Am Ende der Lehrzeit steht die Gesellenprüfung.

Der Prüfling muss beweisen, dass er in der Lage ist in seinem Beruf selbstständig und zuverlässig zu arbeiten. Die Prüfung findet in der Berufsschule statt und besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil.

Die Prüfungsordnung wurde 2016 geändert. Zukünftig besteht die Gesellenprüfung aus 2 Teilen. Teil 1 ersetzt die frühere Zwischenprüfung und wird gegen Ende des 2. Ausbildungsjahres durchgeführt. Im Unterschied zu früher fliest das Ergebnis vom Teil 1 in die Gesamtnote ein. 

Teil 2 findet am Ende des 3. Ausbildungsjahres statt.

Voraussetzung zur Teilnahme an der Gesellenprüfung:

  • Der Prüfling muss zur Prüfung angemeldet sein. Das ist Sache des Betriebes.
  • Der Prüfling muss am Teil 1 erfolgreich teilgenommen haben.
  • Die Berichtshefte müssen vollständig und unterschrieben vorliegen.

 

Ein paar Worte zum Berichtsheft:

Wie bei allem zählt zum ersten Eindruck die Sauberkeit. Zeichnungen und Texte sollten selbst verfasst sein. Auch wenn der Prüfungsausschuss nicht alle Hefte vollständig lesen kann fällt es auf, wenn aus einem Buch oder vom Klassenkammeraden 1:1 abgeschrieben wurde. Die Unterschriften vom Betrieb und falls erforderlich vom Erziehungsberechtigten werden als erstes und bei allen Prüflingen kontrolliert.

Wie das Berichtsheft zu führen ist steht ganz am Anfang des Heftes. Das sollte man sich einfach mal durchlesen und beherzigen.

Wer das beste Berichtsheft vorweisen kann wird vom RS-Fachverband mit einem Preis belohnt.

 

Hier ein paar Tipps für die Prüfung allgemein.

Macht Euch vor der Prüfung Gedanken, wie diese ablaufen kann. Denkt dabei auch an Unvorhergesehenes und an Überraschungen. Behaltet einen klaren Kopf und den Überblick und lasst Euch nicht nervös machen. Die Prüfungsaufgaben sind so bemessen, dass jeder es in dem vorgegebenen Zeitrahmen schaffen kann. Viele Prüflinge geben ihr Gesellenstück vorzeitig ab. 

Das Gesellenstück wird vorgegeben. Alle Prüflinge bauen das gleiche. Gefordert wird ein Querschnitt durch unser Handwerk. Eine Holzverbindung wird genauso verlangt wie arbeiten mit Aluminium, Stahl oder einem Tuch. Ihr wollt Mechatroniker werden. Ein Elektroanschluss ist deshalb auch Teil der Gesellenprüfung.

Die Werkzeugliste muss nicht vollständig sein. So kann es vorkommen, dass die passenden Bohrer für Gewinde nicht aufgeführt sind. Mit welchem Durchmesser Gewindebohrungen hergestellt werden sollen steht z.B. auf dem Messschieber.

Ein Bohrer kann auch mal abbrechen, deshalb solltet Ihr genügend in Reserve dabei haben. Das gilt auch für andere Werkzeuge.

Werkzeuge sollten natürlich "vorher" geschärft und überprüft worden sein.

Schrauben, es gibt verschiedene Köpfe: bei Kreuzschlitz PH und PZ, außerdem sind Torx und AW (Würth) mittlerweile sehr verbreitet. Der Fachmann - und Ihr wollt ja einer werden - benutzt immer den passenden Bit.  

Holz wird erst zum Schluss geschliffen, nicht nachdem man es abgelängt hat. Sonst muss man es mehrfach schleifen und verliert somit Zeit.

Das Elektrokabel sollte natürlich den Bestimmungen entsprechen und "sicher" sein. Das gilt auch für ein Probekabel.

Ein Markisentuch fasst man mit Handschuhen an um Verschmutzungen zu vermeiden.

An einer Werkbank wird gearbeitet uns wo gehobelt wird fallen Späne. Man kann sein Werkstück vor Verschmutzungen schützen indem man einen Karton oder ein Malerfließ unterlegt.

 

zur Konstruktion:

Manchmal wird es dem Prüfling überlassen Teile selbst zu bestimmen, zu konstruieren oder zu beschaffen. Dies wurde 2012 in der Zwischenprüfung erstmals praktiziert. Hierzu ist zu sagen:

Ein selbst hergestelltes Teil wird höher bewertet als ein fertig gekauftes Teil.

Zwischen beweglichen Teilen sollte eine Gleiteinlage z.B. ein Kunststoffring oder eine Unterlegscheibe sein.

Hutmuttern sehen besser aus als normale Muttern aus dem vielleicht noch ein schräges Gewinde hervorschaut. Man kann eine normale Mutter auch mit einer Abdeckkappe versehen.

Kleine durchdachte Details bringen Punkte.

 

Darauf achten die Prüfer:

Ein Gesellenstück muss Kundentauglich sein. Bei der Bewertung steht die Funktion an erster Stelle. Das Prüfungsstück sollte einwandfrei funktionieren.

Wichtig ist die Sauberkeit des Werkstückes. Wenn das Holz ordentlich verputzt und geschliffen ist, wenn das Metall sauber gereinigt wurde , wenn keine Späne irgendwo herausfallen, wenn ein Markisentuch ohne Fingerabdrücke ist, wenn Bleistiftrisse entfernt wurden, dann kann der Prüfling Punkte sammeln.

Ein Prüfungsstück sollte natürlich maßhaltig sein. Winkel und Gehrungen sollten eingehalten werden, die Verbindungen sollten passgenau sein. Maße aus Zeichnungen werden selbstverständlich nachgemessen.

Metallteile sollten entgratet und ordentlich gefeilt sein. Man sieht, wer gelernt hat wie man eine Feile richtig führt. 

Rundungen, z.B. die Enden von Markisenarmen sollten auch richtig rund sein.

Bohrungen sollten genau nach Zeichnung und zentrisch sein.

Holzverbindungen sollten passen. Schraubenköpfe sollten nicht "verhunzt" sein. Bei Schlitzschrauben sollten die Schlitze in der gleichen Richtung wie die Holzmaserung stehen. Die richtige Wahl der Werkzeuge sieht man dem Werkstück an. Wer ein Stück Holz mit einer Puksäge zusägt kann einfach keinen geraden Schnitt hin bekommen und verschenkt Zeit. Wer eine PZ-Schraube mit einem PH-Bit eindreht macht den Schraubenkopf kaputt. Das sieht der Prüfer und das gibt Punkteabzug.

Es kommt vielfach auf Kleinigkeiten an.

 

Im Prinzip ist eine Prüfung so wie die Arbeit beim Kunden. All diese Anforderungen stellt auch der Endkunde an unsere Arbeit. Wir werden ständig geprüft - der Endkunde ist unser Prüfer. Er bezahlt uns für unsere Arbeit und erwartet dafür eine einwandfreie Lieferung. Deshalb sollten diese Tipps selbstverständlich für unsere tägliche Arbeit sein.

 

Hier sind ein paar Beispiele für gute Arbeiten:

 

 


Eine beidseitige Lagerung des Markisenarmes verhindert dessen abkippen. Zusätzlich wurde der Arm im Drehbereich  verstärkt. Es wurde an alles gedacht und sauber gearbeitet. Selbst die Abdeckkappen für die Schrauben sind da. Vorbildlich, so kann man eine Arbeit beim Kunden abliefern.

 

 

 


Gutes Armlager


Auch diese Markisenarme können sich sehen lassen. Die Rundungen sind wirklich rund, Unterlegscheiben sind vorhanden, passende Schrauben wurden verwendet, scharfe Kanten sind nicht vorhanden.